Die Weserrenaissance stellt eine Sonderform der Renaissance dar.
Die Renaissance als Kunststil und Lebensauffassung hatte schon eine beträchtliche Zeit der Entwicklung hinter sich, bevor sie bei uns Einfluss gewann. Als Wunsch nach einer Wiedergeburt der großen Zeit der Antike sind um 1420 in Florenz erstmals neuartige Stilelemente verwandt worden. Gotische Spitzbogen waren ein vorherrschendes Architekturmotiv in ganz Europa, als der Architekt Brunelleschi eine völlig andere Auffassung durchsetzte. Eine Aufreihung gleichmäßiger Halbkreisbögen schmückte die Fassade des Hauses der Findelkinder und prägte so das Bild eines ganzen Platzes. Florentiner Bauherren konnten sich mit dieser Architekturauffassung viel besser anfreunden als mit der als fremd empfundenen Spitzbogenarchitektur, die aus dem Norden kam. Sie wurde nun den Barbaren zugeordnet, den Goten, und erhielt das Schimpfwort "gotisch". Für den neuen Architekturstil fand man Vorbilder in der eigenen antiken Vergangenheit. Diese Antike, die man verehrte, sollte eine Wiedergeburt, eine Renaissance, erfahren.

Zur selben Zeit erfolgten tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft, Neuerungen und Entdeckungen in den Wissenschaften. Die Gesellschaft, und nicht nur die in Italien, erlebte einen Umbruch. Und diese Zeit eines Wandels und Aufbruchs wurde von vielen Zeitgenossen als Epoche einer Veränderung auch wahrgenommen und erlebt.
Die Wirkung des neuen Kunststils war durchaus unterschiedlich. Während man beispielsweise in Venedig noch lange an gotischen Zierformen festhielt, erschlossen Kaufleute, wie die Fugger die Moderne für Deutschland. Ihre St. Anna - Kapelle in Augsburg zeigte erstmals Renaissanceformen in Deutschland.
In Frankreich war es König Franz I., der auf seinen Feldzügen in Italien mit den neuen Kunstformen in Kontakt kam und von ihnen fasziniert wurde. Während seiner weiteren Regentschaft beherrschte der neue italienische Lebensstil das Hofleben. Die neuen Schlossbauten trugen die Zeichen einer nördlichen Renaissance. Leonardo da Vinci ist das herausragendste Beispiel der von Franz I. umworbenen italienischen Künstler. Er kam nach Frankreich und verbrachte dort seine letzten Lebensjahre.

Durch wandernde Künstler, aber auch durch die Verbreitung druckgrafischer Blätter wurde der Stil der Renaissance im Laufe des 16. Jahrhunderts zum neuen, modernen Stil im Europa diesseits der Alpen. So sind auch die Renaissanceformen, wie wir sie im Weserbergland und speziell in Hameln finden, eher beispielsweise aus den Niederlanden als direkt aus Italien zu uns gelangt.
Das Bürgertum in den Städten nutzte den Renaissancestil an seinen Prunkbauten, um Prachtentfaltung zu demonstrieren. Große Fachwerkbauten, in Hameln das Stiftsherrenhaus und das Lückingsche Haus sind mit reichem Figurenschmuck oder "Beschlagwerk" versehen.

Hatten die Bossenquader der florentiner Paläste vielleicht noch praktische Bedeutung neben der Zierform, wirkten bedrohlich und abweisend und erschwerten vielleicht die leichte Erstürmung, so spielten solche Überlegungen im fortgeschrittenen 16. und frühen 17. Jahrhundert keine Rolle mehr.
